Sprache und Tonalität in UI-Elementen

Sprache und Tonalität in UI-Elementen

Buttons, Labels, Beschriftungen, Dialoge – für Interaktionen in Webservices sind ein konsistenter Sprach-Raum und konsequente Tonalität der Schlüssel zum Erfolg.

29. März 2015

Sprach-Raum

Mit dem Sprach-Raum wird die kommunikative Grundlage für alle Interaktionselemente fixiert, um ein konsistentes Interface zu erreichen. Folgende Eckpunkte müssen am Anfang einmalig generell definiert werden – und dann ganz einfach konsequent eingehalten werden:

  • Form der User-Ansprache
  • Absender
  • wiederkehrende Begriffe festlegen

Bei der User-Ansprache ist die in der zweiten Person allem anderen zu bevorzugen. Beispiel: „Deine Fotos“ (oder wenn gesiezt wird: „Ihre Fotos“) ist die deutlich bessere Überschrift für eine Fotogalerie als „Meine Fotos“. Die erste Person-Ansprache hat nicht nur einen angestaubten Web 2.0-Geschmack, sondern ist auch nicht zielführend: Ein Webservice wird dem Nutzer angeboten, er nutzt den Service, das Ergebnis wird ihm präsentiert. Der Nutzer präsentiert sich sein Ergebnis nicht selber.

Der Absender der Interaktionen ist der Webservice selbst. Als Nutzer habe ich ein Display vor mir und interagiere mit dem Service – ich schaue nicht den Betreibern oder den Entwicklern ins Gesicht. Deswegen sind Formulierungen wie „Sollen wir dein Foto speichern?“ absolut unzulässig. Da gewöhnliche Webservices aber auch nicht wirklich sprechen können, sind Formulierungen ohne Absender die richtige Wahl, also ganz einfach: „Foto speichern“.

Für wiederkehrende Begriffe muss unbedingt ein Katalog angelegt werden, um absolute Konsistenz zu erzielen. Es ist zum Beispiel grundsätzlich egal, ob bei Buttons „Abspeichern“ oder „Speichern“ verwendet wird – aber niemals für ein und dieselbe Aktion in dem einen View das eine Wort und in einem anderen View das andere.

Tonalität

Bei redaktionellen Inhalten beeinflussen Marketing- und Branding-Gedanken die Tonalität, das ist klar. In den Interaktionselementen ist hingegen nur extrem wenig Raum für Marketing-Spielchen und Branding-Einflüsse. Hier gelten andere Regeln:

  • einfacher Wortschatz
  • kurz und direkt
  • eindeutig
  • neutral

Auch wenn ein Webservice eine noch so klar definierte Experten-Zielgruppe hat – es muss trotzdem ein extrem einfacher Wortschatz verwendet werden. „Suchbegriff“ ist als Platzhalter in einem Suchfeld gelernt und jedem sofort klar – hingegen könnte „String für Volltextsuche“ selbst bei Nerds ganz kurz für Verwirrung sorgen. Denken kostet Zeit. Und das lässt einen Service unterbewusst als kompliziert erscheinen.

Interaktionen müssen kurz und direkt sein. Gelabert wird genug, bei Interaktionen ist jedoch kein Platz dafür. Eine Beschreibung, was passieren wird, wenn man klickt, ist völlig ausreichend. Epische Fragestellungen wie „Möchtest Du das Foto jetzt speichern?“ sind überflüssig. Unnötiger Interface-Ballast muss vermieden werden. Besser: „Foto speichern“. Fertig.

Wenn der Nutzer nicht sicher ist, was passiert, wird er nicht auf den Button klicken. Und ein 100 Worte-Erklärtext am Button ist sowieso kontraproduktiv. Auch wenn das Beispiel langweilig wird: „Foto speichern“ ist die korrekte Wortwahl, weil es kurz und prägnant beschreibt, was passieren wird. Und nicht etwa „Foto im Archiv ablegen“. Was das Archiv ist, und wie der Nutzer an seine Fotos rankommt, kann erklärt werden, wenn die Funktion genutzt wurde.

Und zum Schluss: Interfaceelemente sind nicht der richtige Ort für subjektive Beschreibungen, hier ist Neutralität gefragt. Zum Beispiel ist am Ende einer Liste ein Pfeil-Icon oder ein „Mehr“-Button das korrekte Element. Buttons mit Beschriftungen wie „Mehr hochwertige Produkte anzeigen“ wirken hingegen lächerlich und anbiedernd.