12min.me Startup Slam in Hamburg

12min.me Startup Slam in Hamburg

Sechs Minuten Pitch, sechs Minuten Q&A – für sechs Gründer aus Hamburg. Meine Eindrücke vom 12min Startup Slam.

07. Oktober 2016

Nach recht langer Abstinenz von solchen Veranstaltungen, war ich gestern beim 12min.me Startup Slam. Für die, die das nicht kennen: Bei diesem Format präsentieren sich mehr oder weniger neue Start-ups innerhalb eines hart begrenzten Zwölf-Minuten-Slots – sechs Minuten Präsentation, sechs Minuten Befragung durch eine ausgewählte Jury. Am Ende gewinnt ein Start-up den jeweiligen Abend – ermittelt durch das gemessene Audio-Feedback des Publikums. Die sogenannte Jury hat dabei lediglich den Auftrag, durch intelligente Fragen an die Start-ups das Publikum indirekt zu beeinflussen.

Für den gestrigen Abend wurden von den 12min Veranstaltern folgende Start-ups ausgewählt und eingeladen:

  • Chef.one
  • Windcloud
  • Sofaconcerts
  • Help2Rent
  • Lookandlisten
  • Attenio

Hier eine kurze Beschreibung und Einschätzung zu den vorgestellten Produkten und Services. Und zu den jeweiligen Gründern.

Chef.one

Chef.one ist ein Service, mit dem selbsternannte Köche ihre eigene Wohnung zum kleinen Social-Restaurant machen. Der Preis für die Gäste pro Abendessen wird frei festgelegt. Ein AirBnB für Dinner sozusagen.

Die Sechs-Minuten-Präsentation vom Gründer Erdal war sehr gut: Gutes, freies Storytelling mit persönlicher Note. Das Produkt ist charmant, das Business-Modell ist gängig (Revenue Sharing), in 2-seitigen Marktplätzen mit relativ geringem Einzelumsätzen jedoch immer etwas zäh. Generell sind 2-seitige Marktplatz-Modelle schwierig mit Momentum zu versehen, weil man immer an zwei Fronten kämpfen muss – mit wenigen Anbietern ist es lame für die Nutzer, mit wenigen Nutzern ist es lame für die Anbieter.

Windcloud

Jetzt wird es etwas schwierig. Nicht inhaltlich, sondern mit der Beurteilung. Windcloud ist ein grünes Rechenzentrum – Serverplatz mit grüner Energie. Anstatt Strom mit CO2-Ballast aufwändig in ein Rechenzentrum zu bringen, baut Windcloud Rechenzentren dort, wo die grüne Wind-Energie direkt vor Ort genutzt werden kann – in Nordfriesland. Ökologisch, nachhaltig. Gute Idee, guter USP, kann man super positionieren und vermarkten. In Sachen Marketing fast schon ein Selbstläufer. Hinsichtlich Finanzierung und Betrieb natürlich ein recht großer Brocken.

Die Präsentation war leider dünn – der Fokus der Gründer Karl und Bastian lag ausschließlich auf Aufmerksamkeit durch Bespaßung Lächerlichkeit. Circus Roncalli für Arme, mit Konfetti, Küstennebel und Leopardenmuster-Hose. Selbstironie und Spaß sind ja gut und schön – aber nicht so. Vor lauter Bespaßung wurde komplett vergessen, am Anfang überhaupt mal mit einem Satz zu sagen, worum es geht. Bis zur Mitte der Präsentation war nicht klar, dass es um ein Rechenzentrum geht.

Sofaconcerts

Noch ein 2-seitiger, vermittelnder Marktplatz – hier für Musik-Gigs im Wohnzimmer. Oder mittlerweile auch für die eigene Party, Hochzeitsfeier oder für Company-Events. Meine grundsätzlichen Bedenken bezüglich solcher Vermittlungsplattformen hatte ich schon oben bei Chef.One beschrieben. Die Idee ist gut, und für die leider in der breiten Masse eher schlecht bezahlten Künstler etwas anzubieten, ist lobens- und erstrebenswert. Die Plattform von Sofaconcerts ist bereits am Start und auch schon bemerkenswert international aufgestellt. Läuft also offensichtlich gut an.

Die Präsentation war okay, aber etwas farblos. In diesem Umfeld hätte ich mir etwas mehr Funk und Enthusiasmus gewünscht. Gleiches gilt im übrigen für das Look&Feel der Website – Musik, Künstler, Emotionen, Spaß.. all das kommt etwas zu kurz. Was bei Windcloud zu viel war, war hier zu wenig.

Help2Rent

Help2Rent ist ein Addon-Concierge-Service für AirBnB-Vermieter. Wer sich nicht selbst um Auswahl der Gäste, die Schlüsselübergabe und ähnliches kümmern will, findet mit Help2Rent professionelle Unterstützung. Schlüssiges Konzept, klarer Service, gut. Nicht so richtig frei skalierbar, aber mit Potenzial. Addon-Services auf erfolgreiche Services aufzusetzen ist einerseits erfolgsversprechend, birgt aber auch eine konzeptionelle Abhängigkeit in sich.

Die Präsentation vom Gründer Lasse war Storytelling in Reinform – mit einer Comic-basierten Präsentation den Bedarf und die Lösung dazu erläutert. Mich hat das Format nicht so 100%ig angesprochen, kam aber beim Publikum und den Personen um mich herum scheinbar sehr gut an.

Lookandlisten

Lookandlisten ist ein Projekt von Jeremy Abbett, der ja in Hamburg kein ganz Unbekannter ist. Ein „Projekt“ – darin lag dann auch schon das Problem im Vergleich zu den anderen: Es war eher eine Konzept-Idee als denn ein Produkt oder ein konkreter Service. Grundsätzlich handelt es sich wahrscheinlich um ein multi-mediales Paket, ein neues Web-Format, in dem Geschichten in einer Mischform aus Text, Audio, Video und VR/AR erzählt und erlebbar gemacht werden (sollen). Ich glaube, dass es eher ein Consulting-Service als denn ein Creation-Tool ist. Sicher bin ich mir aber nicht.

Leider war trotz genannter Referenzen kein konkretes Projekt zu sehen, so dass nur schwer gar nicht nachvollziehbar war, worum es am Ende wirklich geht. Nichtzuletzt deswegen fand ich die Präsentation unterm Strich enttäuschend.

Attenio

Mit Attenio wurde an diesem Abend dann nochmal ein gänzlich anderen Markt zum Thema: Attenio ist eine B2B-Lösung, die es mittelständischen Fertigungsbetrieben ermöglicht, digitale Dokumentation und Kommunikation direkt während der Fertigung zu nutzen. Das bedeutet: Ingenieure und Konstrukteure haben über Mobiltelefone und Tablets Zugriff auf alle relevanten Information und Zeichnungen – immer genau dann wenn sie sie brauchen.

Die beiden Gründer Florian und Fedor haben eine wirklich sympathische und spannende Präsentation auf die Slam-Bühne gelegt. Respekt, wie die beiden das eigentlich trocken erscheinende Spezial-Thema plakativ und informativ ans Publikum gebracht haben.


Insgesamt ein spannender Abend mit einer guten Mischung von verschiedenen Start-ups, Märkten und Gründer-Typen. Also genau das, was man sich von einem Start-up Slam verspricht. Vielen Dank dafür an das 12min.me-Team und an Njiuko, den Raum- und Bier-stiftenden Gastgeber des gestrigen 12min.me Startup Slams.

Ich war ein wenig überrascht, dass so ein komprimierter 6-min-Slam-Pitch für viele Gründer offensichtlich nicht das Allereinfachste ist – obwohl der Elevator-Pitch ja eigentlich überall als eines der wichtigsten Gründer-Handwerkszeuge gepredigt wird. Denn auch wenn man keine „Rampensau“ ist: Die eigene Idee in sechs Minuten strukturiert, emotional und spannend erzählen – dazu sollte man nicht nur in der Lage sein, das muss perfekt sein.